Tierische Helfer

Zum Einsatz von Tieren in der pädagogischen, therapeutischen und beratenden Arbeit gibt es mittlerweile umfassendere wissenschaftliche Erkenntnisse.

Bereits 1969  kam der Kinderpsychologe Boris Levinson zu einer überraschenden Begegnung: Einer seiner Patienten – ein neunjähriger, extrem verschlossener Junge, der mit niemandem sprach – war zu früh zum Termin erschienen und traf in Levinsons Praxis dessen Hund Jingles. Sofort begann der Junge enthusiastisch mit dem Tier zu reden und zeigte sich auch im Verlauf der folgenden Sitzung ungewohnt offen und vertrauensvoll. Der Therapeut nahm den Golden Retriever von da an häufiger mit zur Arbeit. In seiner Publikation „Pet-oriented child psychology“ von 1969 berichtet er von der verblüffenden Wirkung des Tiers auf seine jungen Klienten.

Ein Team um den Verhaltensforscher Kurt Kotrschal fand heraus: Unsere tierischen Helfer sind besonders für verschlossene Kinder und Menschen die einen schwierigen Zugang zu sich selbst finden, ein sehr hilfreicher Co-Therapeut.

In den vergangenen Jahren hat man viel zu diesem Phänomen geforscht und neue Erkenntnis gewonnen. So wurde der Begriff der Biophilie immer häufiger in diesem Zusammenhang genannt:
Die Biophilie-Hypothese stammt von dem Soziobiologen Edward O. Wilson. Er geht davon aus, dass zwischen Menschen und anderen Lebewesen, bzw. lebensähnlichen Prozessen eine evolutionär bedingte Verbundenheit besteht (Wilson, 1984).
Auf dieser Überlegung aufbauend, entwickelten Andrea Beetz und Henri Julius eine  Studie. Sie untersuchten rund 80 Jungen mit unsicherem oder desorganisiertem Bindungsmuster in einer Situation, die mäßigen sozialen Stress hervorruft. Die Kinder waren zwischen sieben und zwölf Jahren alt und hatten größtenteils familiäre Gewalt, Verlust oder Vernachlässigung erfahren.    Ein Jahr später wiederholte das Team der Charité diese Untersuchung mit Schizophreniepatienten und kam zum selben Ergebnis: Waren Tiere anwesend, so milderte das die Angst der Betroffenen und trug merklich zu deren Entspannung bei.
All diese Erkenntnisse macht sich auch cura canis zu Nutze. Durch die Anwesenheit und die Begleitung der gut geschulten Hunde, ist die sozialpädagogische oder beratende Arbeit entspannter, zielorientierter und hilft auf der einen Seite neue Zugänge zum Klienten zu finden und auf der anderen Seite, dem Klienten die Ängste und  Befürchtungen zu nehmen und vermittelt ihm Wohlgefühl und Freude.
Dabei sind Alter, Problemlagen und Vorerfahrungen nicht ausschlaggebend für die Arbeit, sondern nur das Vertrauen in den Berater und seine tierischen Kollegen.